Freitag, 10. Juni 2011
Videos von Wogs und Bina - Aktionskunst online!
von unseren Aktionen online zu sehen sind!
"Felix und Regula - eine Performance für Zürich"
auf http://www.youtube.com/watch?v=KMsGOhlNMPY
"Gedenken 3000 – Was fehlt der Kunst von heute?"
auf http://www.youtube.com/watch?v=Ixuabwl-HdI&feature=related
Die Videos sind natürlich auch im jeweiligen Blogeintrag zur Aktion eingebettet.
Viel Spaß damit!
Sonntag, 16. Januar 2011
Weihnachtstrolle
Bereits zuvor hatten wir in Heimarbeit Christbaumständer zusammengebastelt, um zumindest 12 ausrangierte Bäumchen noch einmal zur Geltung kommen zu lassen. Natürlich durfte auch der Christbaumschmuck nicht fehlen, in unserem Fall eine ganz besondere ''Christbaumkugel'', die dem äußeren Anschein nach einer Bombe täuschend ähnlich sah, wie man sie aus Comics und Trickfilmen kennt. Eine schwarze Kugel mit warnendem Totenkopfsymbol und Zündschnur. Je eine Bombe für jeden Baum.
Mit den Requisiten in der Tasche und dem Kameramann im Schlepptau machten wir uns am Abend auf den Weg und begannen unsere Route in Zehlendorf. Dort platzierten wir die ersten explosiven Bäume auf einem Schulhof, an der alten Zehlendorfer Eiche und in einem S-Bahn-Wagon, den wir mit dem Bäumchen alleine weiterfahren ließen. Auf dem Weg nach Steglitz brachten wir noch der Medeco-Zahnklinik einen besonders großen Baum mit Bombe.Am S-Bahnhof Rathaus Steglitz ließen wir ein Bäumchen mit dem Fahrstuhl fahren und begaben uns dann nach Lankwitz, wo wir zunächst einen Weihnachtsbaum in einer Telefonzelle postierten, einen weiteren an einer Bushaltestelle auf die Bank setzten, den nächsten auf einem Lidl-Parkplatz aufstellten und einen Baum in der Sparkasse an einen Geldautomaten lehnten.
dem Kaiser
der Berliner S-Bahn
der Bundesärztekammer
der Deutschen Telekom
der Lidl-Personalabteilung
der BVG
den deutschen Banken
den städtischen Konsumtempeln
der Berliner U-Bahn
den Wasserwerfern von Stuttgart 21
und dem Anti-Terror-Paket
Mittwoch, 10. November 2010
"Gedenken 3000 – Was fehlt der Kunst von heute?" Binas Schlingensief-Gedenkaktion in der Volksbühne
In Gedenken an den am 21. August 2010 im Alter von 49 Jahren verstorbenen Aktionskünstler und Regisseur Christoph Maria Schlingensief. Eine Aktion von Bina.
Samstag, 6. November 2010, 20 Uhr in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.
Die Volksbühne hatte Freunde, Kollegen und Fans Christoph Schlingensiefs zur großen Gedenkfeier geladen.

Freier Eintritt, eine reich gedeckte Tafel und Programm im ganzen Haus lockten die 2000 Besucher, die Bier, Wein oder auch Speisen mitbrachten und dem Buffet hinzufügten und sich zeitweilig an den diversen Plätzen der Darbietungen sammelten, um sich dann wieder im Getümmel zu verlieren und durch die Gänge zu strömen.

Der Intendant Frank Castorf hatte die Veranstaltung eröffnet, mit ihm erinnerten sich viele Weggefährten Schlingensiefs an die Begegnungen und die Zusammenarbeit mit ihm.
Gezeigt wurden Fernsehberichte, Videos von Theaterproben, Ausschnitte seiner Werke und Aufnahmen aus seiner Kindheit. Jeder Winkel der Volksbühne bot entweder Photowände oder Monitore, auf denen der geniale Aktionskünstler und Regisseur Schlingensief zu sehen war. Der Afrikabereich war seinem letzten Großprojekt, dem Operndorf in Burkina Faso gewidmet.

Ich baute Farben, Pinsel, Papiere und Klebeband vor mir auf und begann damit, die Frage zur Aktion aufzuschreiben:
Was fehlt der Kunst von heute?
Diese klebte ich an die holzvertäfelte Wand und suchte mir dann meine ersten Teilnehmer in der Masse.
Ich sprach die Leute an, ob sie nicht eine Antwort auf die Frage hätten und diese zu Papier bringen wollten. Diese Din A4 Papiere befestigte ich dann mit Klebeband an der Wand und an den benachbarten Papieren, sodass schließlich ein ganzer Wandteppich aus den einzelnen Blättern entstehen sollte.
Nachdem erstmal der Anfang gemacht war, ging es recht gut voran und so Mancher machte sich ernsthafte Gedanken, was er denn auf diese Frage antworten könnte oder sollte, einige waren wohl um eine besonders kluge Idee bemüht, andere schrieben einfach ihre spontanen Eingebungen nieder oder betätigten sich künstlerisch und malten Bilder oder Symbole.
Obwohl mehrere Security-Leute und Verantwortliche an uns vorbeiliefen und neugierig zuschauten, griff tatsächlich niemand ein oder meckerte.
Dafür ein Dank an die Volksbühne, die der Aktionskunst gegenüber wirklich offen zu sein scheint.
Viele Leute gingen vorbei und warfen flüchtige Blicke auf das Geschehen und den Wandbehang, andere hielten inne und lasen interessiert, was bereits für Antworten gegeben wurden, ein Herr philosophierte minutenlang mit mir über die Bedeutung und die Gewichtung der gegebenen Antworten.
Je später der Abend wurde, umso mehr machte sich der erhöhte Bier- bzw. Weinkonsum bemerkbar. Aber auch die Reizüberflutung und die vielen Eindrücke der Gedenkfeier trübten gegen Mitternacht die Aufnahmefähigkeit. Zuletzt kam noch ein gut gelauntes Pärchen zu mir und anstatt die Farbe auf des Papier aufzutragen, beschmierte sich zuerst er und dann sie ihre Lippen mit dem Pinsel und drückten dicke Kussmünder aufs Papier, in rot und in grün.

Am Ende war ein echtes Kunstwerk an der Wand entstanden.
Ich hängte es ab, faltete es zusammen, packte alles ein und verließ gegen 00:30 Uhr die Party, zu der es sich dank des DJs im Foyer mittlerweile entwickelt hatte. Die Tafel war restlos geplündert und neben den leeren Weinflaschen auf dem Tisch fand man unermüdliche Gestalten, die alle sofort bei Schlingensiefs Freakstars 3000 hätten auftreten können.
Mein Fazit: eine gelungene Gedenkfeier für den großen Künstler Schlingensief, die ihm sicher gefallen hätte und eine gelungene Aktion, die ich natürlich auch zu seinen Ehren veranstaltet habe – und es macht mich ein wenig stolz, dass ich die einzige unautorisierte Akteurin dieses Abends war und ich mich somit nun wirklich im Geiste Schlingensiefs und seiner Aktionen betätigt habe...
Links zur Gedenkfeier:
http://www.popkontext.de/index.php/2010/11/07/gedenken-3000-fur-christoph-schlingensief-am-6-11-2010-an-der-volksbuhne-berlin
http://www.tagesspiegel.de/kultur/volksbuehne-erinnert-an-christoph-schlingensief/1977014.html
http://www.morgenpost.de/kultur/article1444562/Volksbuehne-verabschiedet-sich-von-Schlingensief.html
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1064864
Freitag, 1. Oktober 2010
Dienstag, 7. September 2010
Felix und Regula in Zürich
Erwartungsvoll folgten wir der Einladung zu Le Jardin Rouge, einer Plattform (im wahrsten Sinne des Wortes) für Performancekunst, die von Olivia Wiederkehr ins Leben gerufen wurde, und traten unsere Reise nach Zürich mit den Koffern voller Requisiten an. Nach anfänglichem Herumirren im Industriegebiet fanden wir das ''Basislager'', ein Komplex von Ateliercontainern mit Baugerüst-Charme, auf dessen Gelände sich das allwöchentliche Spektakel ereignet. Bei einer dort tätigen Künstlerin bezogen wir Quartier. Man empfing uns herzlich.
Am nächsten Tag schauten wir uns dann in Zürichs Innenstadt um und besuchten die historischen Stätten, die von der Legende um die Heiligen Felix und Regula zeugten, wie z.B. die Wasserkirche, das Großmünster und das Frauenmünster.
Desweiteren stellten wir fest, dass sowohl das Verkehrsnetz als auch die Straßenführung Zürichs völlig unübersichtlich angelegt sind – aber man dafür an jeder Ecke ein durchschnittliches (deutsches) Monats- bis Jahresgehalt für eine Handtasche, ein paar Schuhe oder eine Armbanduhr auf den Kopf hauen kann, wenn man noch die Zeit zum Shoppen hat, zwischen der Kontoeröffnung an einer der 100 Filialen der Credit Suisse und dem Abflug des Privatjets.
Wir haben nichts gekauft.
Am Freitag wollten wir zwei Museen zeitgenössischer Kunst besuchen, die sich ausgerechnet beide seit ein paar Wochen im Umbau befanden und geschlossen hatten. Wenigstens das Museum für Gestaltung hatte geöffnet.
Abends hieß es dann endlich: Performance! Die züricher Zuschauer wurden mit ihrer eigenen Stadtgeschichte konfrontiert, die – wie dies anderenorts oftmals ebenso der Fall ist – kaum einer von ihnen so genau kannte. Welcher Berliner kennt schon die Gründungsgeschichte Berlins?
Unsere symbolträchtigen Requisiten und unsere Darstellung von Felix und Regula und der bösen Römer (meist von Wogs verkörpert) sponnen einen semantischen roten Faden, der mit der Enthauptung der beiden und ihrem Gang zur Grabstätte mit den Köpfen unterm Arm seinen Höhepunkt fand.
Danach saß man noch bei Bier und Wein ums Feuer und unterhielt sich.
Am Tag unserer Abreise fuhren wir zum Abschluss auf den Uetliberg, der eine wunderschöne Aussicht auf Zürich bietet.
Unser Fazit: Zürich ist viel zu teuer, die Infrastruktur zu kompliziert,
die Menschen sind freundlich und die Künstler mindestens genauso freakig wie in Berlin.
Ein besonderer Dank ergeht an Lea und Olivia, wir kommen gerne wieder!
Archäologen bergen die Gebeine
von Felix und Regula.
Wie kamen sie hier her?
Die Thebäische Legion wird von den Römern zerschlagen...
...die Geschwister Felix und Regula können fliehen.
Sie flüchten sich zur Burg Zürich
und tarnen sich,
beten und verbreiten heimlich das Christentum.
...und enttarnen sie schließlich.
Selbst die Folter mit flüssigem Blei lässt sie nicht abschwören...
...sie weigern sich, den römischen
Göttern zu huldigen...
...und bekennen sich
zum christlichen Glauben.
Der römische Statthalter lässt Felix und Regula enthaupten...
...die Geköpften stehen auf, nehmen ihren Kopf unter den Arm...
...gehen 40 Schritte den Hügel hinauf...
...und legen sich und ihre Häupter dort nieder.
Am Ort der Hinrichtung entspringt eine (Römer-) Quelle.
Rom beugt sich dem Christentum.












